Künstliche Intelligenz (KI) hält mit großem Tempo Einzug in den Alltag der österreichischen Bevölkerung und wird bei gesundheitlichen Fragen zunehmend zur ersten Anlaufstelle. Das zeigt die repräsentative Gesundheitsstudie 2026 der Wiener Städtischen Versicherung. Demnach nutzen bereits sechs von zehn Österreicherinnen und Österreichern KI-Anwendungen im Zusammenhang mit ihrer Gesundheit, während etwa 40 Prozent diese Tools als ausdrücklich hilfreich empfinden. Ein Drittel der Befragten folgt den Empfehlungen der digitalen Helfer sogar direkt. Dennoch bleibt das Vertrauen in die Beratung durch Ärztinnen und Ärzte weiterhin deutlich höher.
KI wird für viele Menschen zunehmend zur ersten Anlaufstelle bei Gesundheitsfragen. Umso wichtiger ist es, Informationen richtig einordnen zu können und KI als Ergänzung, nicht als Ersatz für medizinische Beratung zu verstehen.
Manuel Schalk, Vorstandsdirektor der Wiener Städtischen
Wachsende Kritik am öffentlichen Gesundheitssystem
Während digitale Technologien neue Möglichkeiten eröffnen, zeigt sich die Bevölkerung gegenüber dem öffentlichen Gesundheitssystem spürbar skeptischer als in den Vorjahren. Zwar äußern sich 47 Prozent der Befragten grundsätzlich zufrieden mit dem System, doch jeder Fünfte gibt an, unzufrieden zu sein.
Besonders die konkrete medizinische Versorgung steht in der Kritik: 44 Prozent der Österreicherinnen und Österreicher sind der Ansicht, dass sich die Versorgung in den letzten zwölf Monaten verschlechtert hat. Als Hauptursache nennen die Befragten organisatorische Engpässe wie der allgemeine Mangel an Kassenärztinnen und -ärzten sowie lange Wartezeiten auf Termine. Etwa ein Drittel der Befragten gibt an, länger als zwei Monate auf einen Termin bei Kassenärztinnen und -ärzten zu warten.
Mehrheit kann sich Ambulanzgebühr vorstellen
Vor dem Hintergrund der bestehenden Engpässe stößt eine Ambulanzgebühr für nicht dringende Krankenhausbesuche auf überraschend hohe Akzeptanz. 58 Prozent der Bevölkerung können sich eine solche Maßnahme grundsätzlich vorstellen, um die Patientenströme besser zu steuern.
Hinsichtlich der Höhe zeigen sich klare Vorstellungen: Ein Drittel der Befürworter spricht sich für einen Maximalbetrag von 10 Euro aus, rund 40 Prozent würden eine Gebühr zwischen 11 und 20 Euro begrüßen, und lediglich jeder Zehnte spricht sich für einen Betrag von über 30 Euro aus. Vorstandsdirektor Schalk sieht in diesen Ergebnissen eine Offenheit der Bevölkerung für neue Ansätze im System.
Individueller Gesundheitszustand und steigendes Interesse an Vorsorge
Abseits der Systemkritik bewertet die Mehrheit der Bevölkerung die eigene körperliche sowie mentale Verfassung aktuell als gut oder sehr gut. Beim mentalen Wohlbefinden halten sich Verbesserungen und Verschlechterungen insgesamt die Waage. Allerdings stechen die 16- bis 35-Jährigen positiv hervor: In dieser Altersgruppe gibt fast ein Drittel (29 %) an, dass sich die mentale Gesundheit verbessert hat, während dies bei den 56- bis 70-Jährigen nur auf sieben Prozent zutrifft. Gleichzeitig wächst das Bewusstsein für geschlechtsspezifische Unterschiede in der Medizin. 87 Prozent der Befragten nehmen Differenzen bei Krankheitsbildern von Frauen und Männern wahr, am häufigsten bei Herz-Kreislauf-Erkrankungen wie Herzinfarkten und Schlaganfällen sowie bei psychischen Leiden wie Depressionen.
Hand in Hand mit diesem Wunsch nach individuellen Lösungen steigt auch das Interesse an privater Gesundheitsvorsorge. Ein Drittel der Befragten gibt an, dass ihr Interesse an privaten Vorsorgemodellen im letzten Jahr gestiegen ist. Besonders ausgeprägt zeigt sich dieser Trend wiederum bei den 16- bis 35-Jährigen, von denen sechs von zehn eine private Gesundheitsvorsorge als notwendig erachten, um zusätzliche Wahlmöglichkeiten zu schaffen und die öffentliche Versorgung sinnvoll zu ergänzen.
NH
