Steigende Kosten, ein schwaches Wirtschaftswachstum und der zunehmende internationale Wettbewerbsdruck zwingen die Chefetagen österreichischer Unternehmen zu einem Umdenken. Wachstum allein genügt längst nicht mehr, um die aktuellen wirtschaftlichen Herausforderungen zu bewältigen. Stattdessen rücken Produktivität, Effizienz und die eigene Wettbewerbsfähigkeit in den absoluten Mittelpunkt der strategischen Planungen. Dies zeigt die aktuelle Ausgabe der „CxO Priorities Studie“ der Managementberatung Horváth: Die Verbesserung von Kosten- und Profitabilitätsstrukturen steht für das heimische Top-Management ganz oben auf der Agenda.
Digitale Transformation als Hebel gegen den Kostendruck
Direkt hinter dem Dauerthema Kostensenkung folgen die KI-Transformation, die allgemeine Digitalisierung sowie das Thema Cyber Security auf den Plätzen zwei und drei. Christoph Kopp, Industrieexperte und Associate Partner bei Horváth in Österreich, sieht die Unternehmen unter einem erheblichen Transformationsdruck. Da sich die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen nachhaltig verändert haben, sei Wachstum kein Selbstläufer mehr. Wer langfristig erfolgreich sein wolle, müsse seine Strukturen anpassen.
Dabei geht es laut der Studie allerdings nicht mehr um klassische, stumpfe Sparprogramme. Da viele Betriebe mit herkömmlichen Effizienzmaßnahmen bereits an ihre Grenzen stoßen, setzen sie stattdessen auf eine grundlegende Neuausrichtung ihrer Organisationen. Die Manager vereinfachen gezielt Prozesse, stellen Kostenstrukturen völlig neu auf und entwickeln bestehende Geschäftsmodelle weiter. Künstliche Intelligenz übernimmt hierbei eine tragende Schlüsselrolle ein. Sie soll keineswegs nur simple Abläufe automatisieren, sondern vor allem die Produktivität steigern, neue Geschäftsmodelle ermöglichen und die Marktposition im internationalen Wettbewerb absichern.
Industrie unter Druck, Dienstleister setzen auf KI
Besonders stark betrifft dieser Wandel die heimische Industrie. Angesichts einer schwachen Nachfrage, hoher Bürokratie sowie steigender Energie- und Arbeitskosten überprüfen viele Industriebetriebe ihre Produktionsstrukturen und internationalen Standorte. Als Gegenmaßnahme gewinnen die Regionalisierung und der gezielte Ausbau resilienter, widerstandsfähiger Lieferketten weiter an Bedeutung.
Dienstleistungsunternehmen wählen hingegen einen anderen Ansatz. Sie fokussieren sich vorrangig auf den produktiven Einsatz von Künstlicher Intelligenz und die digitale Transformation. Auf diese Weise versuchen sie, ihre stark personalintensiven Geschäftsmodelle effizienter und besser skalierbar zu gestalten.
Klimaziele rücken in den Hintergrund
Einen drastischen Absturz verzeichnet das Thema Nachhaltigkeit. Im Ranking der insgesamt 13 abgefragten Themenfelder findet sich die Nachhaltigkeit nur noch auf dem zwölften und damit vorletzten Platz wieder. Die Studienautoren betonen jedoch, dass dies nicht zwangsläufig eine dauerhafte Abkehr von den langfristigen Klimazielen bedeutet. Vielmehr spiegelt die Platzierung die nackte wirtschaftliche Realität wider. Kurzfristig müssen die Unternehmen Maßnahmen priorisieren, welche die eigene Widerstandskraft stärken und das Überleben sichern. Zudem setzten die Betriebe in den vergangenen Jahren bereits zahlreiche – auch regulatorisch vorgegebene – Nachhaltigkeitsmaßnahmen um.
„Grow without Growing“: Verlagerung in weltweite Wachstumsmärkte
Für das Jahr 2026 erwarten die österreichischen CxOs ein Umsatzwachstum von rund 4,7 Prozent. Das ausgegebene Motto lautet hierbei jedoch „Grow without Growing“ – also zu wachsen, ohne die eigene Personaldecke relevant zu erhöhen, da Unternehmen in ganz Österreich weiterhin Kosten reduzieren müssen. Daraus resultiert eine spürbare geografische Verschiebung von Wertschöpfung und Beschäftigung. Bis zum Jahr 2030 planen Österreichs Unternehmen mit einem Personalabbau auf dem heimischen Markt. Sowohl im nationalen als auch im globalen Vergleich zeigt die Horváth-Studie, dass Firmen ihre Wertschöpfung zunehmend in Niedriglohnstandorte wie beispielsweise Osteuropa verlagern.
Gleichzeitig bauen die Konzerne gezielt Personal in echten Wachstumsmärkten wie den USA, China und Indien auf. Der US-Markt präsentiere sich für globale Player dabei als alternativlos, da die dortige Wirtschaft allen Zöllen und wirtschaftspolitischen Unsicherheiten zum Trotz unvermindert weiterwächst, was die heimischen Unternehmen zu fortlaufenden Investitionen veranlasst.
NH
