Gefangen im Bildschirm: Wenn das Smartphone vom Alltagshelfer zur Belastung wird

Die stark zunehmende Zeit vor dem Bildschirm des Smartphones führt zu gesundheitlichen Konsequenzen, wie verminderte Schlafqualität oder Konzentrationsfähigkeit. Gerade die junge Generation äußert jetzt den Wunsch nach Veränderung.


Die Bildschirmzeit am Smartphone nimmt überhand und wird zur Belastung - viele junge Österreicher:innen kennen das Problem. Nun wünscht sich gerade die junge Generation Veränderung © pexels

Das Smartphone ist längst viel mehr als ein bloßes Kommunikationsmittel. Es beeinflusst nachhaltig, wie wir uns informieren, Beziehungen pflegen und unsere Freizeit gestalten. Für die allermeisten Menschen ist der digitale Begleiter aus dem Alltag schlicht nicht mehr wegzudenken. Eine aktuelle repräsentative Umfrage des Beratungsunternehmens Deloitte zeigt jedoch die Schattenseiten dieser Entwicklung: Die hohe tägliche Nutzungsdauer führt dazu, dass immer mehr Österreicher:innen ihren eigenen Smartphone-Konsum zunehmend kritisch hinterfragen.

Die ständige Erreichbarkeit und der Druck, auf dem Laufenden zu bleiben, führen dazu, dass immer mehr Menschen gezielt digitale Auszeiten schaffen wollen. Besonders bemerkenswert ist dabei die junge Generation: Bereits jede zweite Person zwischen 14 und 29 Jahren empfindet die eigene Smartphone-Nutzung als zu hoch. Der Wunsch nach digitaler Balance ist gerade bei jenen am stärksten ausgeprägt, die Smartphones am meisten nutzen.

Christoph Waldeck, Partner bei Deloitte Österreich

Mehrere Stunden pro Tag online: Junge Generation will Veränderung

Laut den Studienergebnissen verbringen zwei Drittel der Österreicherinnen und Österreicher mindestens zwei Stunden pro Tag am Smartphone. Bei 15 Prozent der Befragten sind es sogar mehr als fünf Stunden täglich. Diese intensive Nutzung bleibt nicht ohne Folgen, denn der Wunsch nach Veränderung wächst spürbar: Mehr als die Hälfte der Befragten möchte den eigenen Konsum zurückschrauben und hat dafür bereits erste konkrete Maßnahmen gesetzt.

Kommunikation, Soziale Medien und der Vormarsch von KI

Primär dient das Gerät den Österreicherinnen und Österreichern zur Kommunikation und Information. Zwei Drittel nutzen täglich Messenger-Dienste wie WhatsApp, Signal oder Telegram. Ebenso stehen klassische Telefonate sowie die Online-Recherche hoch im Kurs. Gleichzeitig etabliert sich Künstliche Intelligenz rasant als praktisches Alltagswerkzeug: Bereits jede dritte Person (35%) greift zumindest einmal pro Woche auf KI-Smartphone-Apps wie ChatGPT, Claude oder Gemini zurück, um Informationen zu suchen, kreative Aufgaben zu lösen oder Unterstützung im Berufs- und Privatleben zu erhalten.

Besonders viel Zeit fließt zudem in soziale Netzwerke, die längst als wichtige Plattformen für Information und persönlichen Austausch fungieren. Mehr als die Hälfte der Befragten fühlt sich durch Social Media besser informiert. Ein Drittel sieht in den Netzwerken sogar eine Stärkung der Beziehungen zu Familie, Freundinnen, Freunden und Bekannten.

Dauereinsatz mit Nebenwirkungen: Schlaf und Konzentration leiden

Soziale Netzwerke begleiten die Menschen als ständiger Zeitvertreib durch den gesamten Tag. Die Nutzung findet vor allem zu Hause (68%), zur Überbrückung von Wartezeiten (41%), beim Fernsehen (27%) oder in öffentlichen Verkehrsmitteln (25%) statt. Dabei sind feste digitale Rituale entstanden: Jede vierte Person scrollt noch direkt vor dem Schlafengehen durch den Feed, während jede fünfte unmittelbar nach dem Aufstehen zum Smartphone greift.

Diese dauerhafte Berieselung hinterlässt Spuren im Alltag. Jeweils ein Viertel der Befragten berichtet von negativen Auswirkungen auf den Schlaf sowie auf das eigene Zeitmanagement. Auch die Produktivität und die Konzentrationsfähigkeit leiden spürbar unter dem intensiven Social-Media-Konsum.

Mehrheit in Österreich wünscht sich Konsequenzen für Plattformen

Da gerade junge Menschen in den Netzwerken häufig mit idealisierten Lebenswelten und problematischen Inhalten konfrontiert sind, fordert die Bevölkerung Konsequenzen, wie Christoph Waldeck erläutert. Zwei Drittel der Österreicher:innen wünschen sich, dass die Plattformbetreiber deutlich mehr Verantwortung übernehmen. Die Botschaft ist eindeutig: Soziale Medien sollen zwar Information und Austausch ermöglichen, problematische Inhalte jedoch konsequenter eindämmen.

NH