Digitale Geldbörse im Vormarsch: Warum Österreicher aufs Smartphone setzen und weiterhin Bargeld treu bleiben

Eine Studie zeigt: Rund ein Drittel aller Österreicher:innen zahlt fast ausschließlich mit dem Smartphone. Der Handel braucht ein bargeldloses Bezahlangebot, sonst droht Umsatzverlust. Trotzdem sträubt sich die große Mehrheit in Österreich gegen eine Abschaffung des Bargelds.


Bereits jede dritte Österreicher:in zahlt digital mit dem Smartphone @ pexels

Die Österreicherinnen und Österreicher zahlen zunehmend digital, halten dem Bargeld aber nach wie vor die Treue. Jede dritte Person im Land hat ihre Bankkarte mittlerweile auf dem Smartphone oder der Smartwatch hinterlegt – Tendenz stark steigend. Dennoch wollen 88 Prozent der Bevölkerung noch nicht auf Scheine und Münzen verzichten. Dies zeigt die aktuelle „Bargeldstudie 2026“, die vom Zahlungsdienstleister Global Payments in Zusammenarbeit mit seinem Joint-Venture-Partner Erste Bank und Sparkasse durchgeführt wurde.

Verdopplung seit 2022: Karte wandert rasant aufs Smartphone

Die Ergebnisse belegen eine dynamische Evolution der Bezahlgewohnheiten. Mittlerweile haben 38 Prozent der Bevölkerung ihre Bankkarte digital auf mobilen Endgeräten hinterlegt. Das entspricht einem Zuwachs von sechs Prozentpunkten gegenüber dem Jahr 2025. Seit dem Beginn der Erhebungsreihe im Jahr 2022, als der Anteil lediglich bei 18 Prozent lag, hat sich dieser Wert mehr als verdoppelt.

Besonders stark ausgeprägt zeigt sich der Trend bei den Kartennutzern: Unter jenen, die überwiegend oder etwas mehr mit Karte zahlen, nutzen bereits 63 Prozent die digitale Variante. Selbst bei den vorwiegenden Barzahlern stieg der Anteil von 25 Prozent im Vorjahr auf nunmehr 28 Prozent. Parallel dazu wachsen die Akzeptanzstellen im Alltag – etwa in Trafiken, Bäckereien oder Kaffeehäusern. Angela Knötzl, Country Managerin Österreich bei Global Payments, betont vor diesem Hintergrund den Handlungsbedarf für Betriebe. Wer heute noch kein bargeldloses Bezahlen anbiete, lasse sich Umsatz entgehen, da die Kundschaft dies schlicht erwarte.

Für den Handel heißt das: Wer heute noch kein bargeldloses Bezahlen anbietet, lässt sich Umsatz an der Kassa entgehen. Gerade kleinere Betriebe wie Trafiken, Friseure oder Gastronomie holen hier spürbar auf, weil ihre Kundschaft es zunehmend erwartet.

Angela Knötzl, Country Managerin Österreich bei Global Payments

Bargeld spaltet die Generationen

Trotz der digitalen Welle bleibt das Grundgerüst des Bezahlverhaltens stabil. Unverändert zu 2025 zahlen 19 Prozent der Österreicherinnen und Österreicher ausschließlich bar. 88 Prozent halten die Existenz von Bargeld für wichtig, während lediglich drei Prozent ihm negativ gegenüberstehen. Besonders ausgeprägt zeigt sich die Vorliebe für Bares bei Menschen über 70 Jahren sowie in Gruppen mit formal niedrigerer Bildung. Bei der jüngeren Generation der 16- bis 29-Jährigen zahlt hingegen bereits mehr als die Hälfte mehrheitlich oder fast ausschließlich mit Karte. Zudem halten die Menschen an ihren Notgroschen fest: Rund 30 Prozent der Bevölkerung bewahren weiterhin eine Bargeldreserve von mehr als 300 Euro in den eigenen vier Wänden auf.

Kartennutzer empfinden Bargeld als lästigen Zwang

Gleichzeitig driftet die Wahrnehmung zwischen den beiden Lagern immer stärker auseinander. Wer überwiegend digital bezahlt, empfindet das Abheben von Bargeld zunehmend als lästige Pflicht und Scheine selbst als altmodisch – die Zustimmungswerte hierzu stiegen gegenüber 2025 deutlich an. Fast die Hälfte (46%) der Kartennutzer fühlen sich im Alltag manchmal unfreiwillig zur Barzahlung gedrängt. Knapp 70% dieser Gruppe würden eine durchgehende Akzeptanz von Karten als deutliche Erleichterung empfinden.

Wahlfreiheit für alle Kund:innen im Vordergrund der Banken

Für die Kreditinstitute steht dennoch die Wahlfreiheit der Kundschaft im Fokus. Ertan Piskin, Zahlungsverkehrsexperte der Erste Bank, hebt hervor, dass sich das Bezahlverhalten durch digitale Wallets wie Apple Pay und Google Pay nachhaltig verändert hat, da das Smartphone ständig griffbereit ist. Dennoch gelte es, allen Bezahlwünschen gerecht zu werden – egal ob mit Bargeld, Karte oder Smartphone. Einen zentralen Baustein zur Steuerung der eigenen Finanzen bilden in diesem Zusammenhang die Banking-Apps. Laut Piskin ermöglicht das Tool den Kundinnen und Kunden Echtzeit-Transparenz und volle Kontrolle über ihre Ausgaben. Transaktionen lassen sich sofort nachvollziehen, Karten eigenständig sperren oder nachbestellen und Umsätze bei Bedarf rasch beanstanden.

NH