Die erste Phase der Elektromobilität in Österreich gilt als weitgehend geglückt. Vier Jahre nach der Veröffentlichung des ersten Masterplans zieht SMATRICS, Österreichs größter Ladeinfrastrukturbetreiber, eine positive Bilanz: Ein Großteil gewinnbringender Maßnahmen wurde politisch umgesetzt, wodurch sich das Land eine europäische Vorreiterrolle erarbeitet hat. SMATRICS rechnet bis 2030 mit rund einer Million rein elektrisch betriebenen PKW auf den heimischen Straßen. Mit diesem Fortschreiten der E-Mobilität, verändern sich auch die Anforderungen fundamental. Das Unternehmen präsentiert daher nun seinen „Masterplan 2.0“ und fordert eine strategische Neuausrichtung. Der Fokus verschiebt sich weg vom reinen quantitativen Ausbau der Ladepunkte hin zu einer tiefgreifenden Verknüpfung von Mobilität und Energie.
Die erste Phase der E-Mobilität war eine österreichische Erfolgsgeschichte. Dennoch ist die Transformation der Mobilität kein Selbstläufer. Um in dieser zweiten Phase das volle Potenzial gut zu nutzen, müssen wir die beiden Säulen Mobilität und Energie von einem Nebeneinander zu einem Miteinander überleiten.
Hauke Hinrichs, CEO von SMATRICS
Mobilität und Energie müssen Teamplayer werden
„Für eine erfolgreiche Mobilitäts- und Energiewende braucht es ein intelligentes Gesamtsystem“, erklärt Hinrichs. Es dürfe nicht länger in isolierten Maßnahmen gedacht werden, vielmehr müssten die Sektoren Mobilität und Energie endlich als Teamplayer agieren. Das übergeordnete Ziel lautet Smart Grid: E-Fahrzeuge sollen künftig als mobile Speicher, Flexibilitätsanbieter und aktive Teilnehmer fest in das Stromnetz integriert werden.
Die reine Verfügbarkeit von öffentlicher Ladeinfrastruktur sei längst nicht mehr das Hauptproblem. In der neuen Marktphase gehe es primär um einfachen Zugang, die nahtlose Integration in den Alltag sowie eine wirtschaftlich sinnvolle Nutzung. Die beste Ladeinfrastruktur sei jene, über die man nicht nachdenken müsse. SMATRICS setzt daher weiterhin auf den Ausbau von Schnell- und Ultraschnellladestandorten, die das Laden zu Hause oder am Arbeitsplatz ergänzen – inklusive transparenter Preise, vielfältiger Bezahlmöglichkeiten und zusätzlichem Komfort vor Ort.
Schritte für die nächste Entwicklungsphase
Im neu vorgestellten Masterplan 2.0 fordert das Unternehmen eine Anpassung der Rahmenbedingungen an die fortgeschrittene Marktreife. Konkret sollen eine Reform der Gewerbeordnung die 24/7-Zugänglichkeit öffentlicher Ladestationen sichern und straßenverkehrsrechtliche Anpassungen für Barrierefreiheit im Sinne eines „Design für alle“-Ansatzes sorgen. Zur Unterstützung des Markthochlaufs sieht das Konzept gezielte Anreize wie Mautbefreiungen für E-LKW, Sonderabschreibungen für KMU sowie die rechtliche und wirtschaftliche Definition des bidirektionalen Ladens (Vehicle-to-X) vor. Schließlich müssen die Vorgaben für die Ladeinfrastruktur künftig ganz besonders die spezifischen Anforderungen des schweren Nutzfahrzeugverkehrs berücksichtigen.
Die reine Verfügbarkeit öffentlicher Ladeinfrastruktur ist längst nicht mehr die größte Herausforderung. In Zukunft geht es um einen einfachen Zugang, nahtlose Integration in den Alltag und eine wirtschaftlich sinnvolle Nutzung.
Hauke Hinrichs, CEO von SMATRICS
Netzanschluss als große Herausforderung
Während Österreich bei den Ladestationen gut aufgestellt ist, ortet SMATRICS erhebliche Schwachstellen an der Schnittstelle zum Energiesystem. Bei Netzanschlüssen, Genehmigungsprozessen und der allgemeinen Digitalisierung herrscht nach wie vor akuter Aufholbedarf. Zu lange Wartezeiten, fehlende Standardisierungen und uneinheitliche Abläufe bremsen den weiteren Ausbau derzeit spürbar aus. Am Netzknotenpunkt dürfe es für Betreiber nicht länger „bitte warten“ heißen.
NH
