Die unerschütterliche Autonation: Warum fast 80% der Österreicher täglich ihr Auto nutzen

Aufgrund von zunehmenden klimatischen Veränderungen und Hitzerekorden auf umweltfreundliche Verkehrsmittel umsteigen? Fehlanzeige in Österreich. Das Bedürfnis nach Flexibilität und Unabhängigkeit sowie fehlender Ausbau kostengünstiger Alternativen als Erklärung für steigende Staubildung und Parkplatzprobleme.


Die Autonation Österreich spürt die hohe Auslastung auf den Straßen mit zunehmender Staubildung vor allem zu Stoßzeiten © pexels

Wenn die Sommermonate Österreichs Asphalt zum Glühen bringen und Rekordtemperaturen den Klimawandel im Alltag spürbar machen, gerät auch die Debatte um die heimische klima(un)freundliche Mobilität ins Schwitzen. Doch während Hitzewellen die Notwendigkeit von Klimaschutzmaßnahmen verdeutlichen, zeigt die Realität auf den Straßen ein anderes Bild: Das eigene Auto bleibt für die Menschen im Land eine unumstößliche Konstante. Eine aktuelle Studie des Online-Research-Instituts Marketagent unter 1.088 Personen zwischen 17 und 75 Jahren belegt, dass fast 80 Prozent der Österreicherinnen und Österreicher das Auto fest in ihr tägliches Leben integrieren. Das Kraftfahrzeug bleibt für die breite Mehrheit das wichtigste Symbol für Freiheit, Flexibilität und persönliche Unabhängigkeit.

Das Auto ist für die meisten Österreicherinnen und Österreicher weit mehr als nur ein Fortbewegungsmittel. Es steht für Selbstbestimmung, Flexibilität und die Freiheit, den Alltag nach den eigenen Bedürfnissen zu gestalten. Die Mobilität der Zukunft wird deshalb nicht allein durch neue Antriebe entschieden, sondern auch durch intelligente Infrastruktur und effiziente Verkehrslenkung.

Thomas Schwabl, Gründer und Geschäftsführer von Marketagent

Alltagshelfer: 80% aller Österreicher:innen nutzen Auto täglich

Die Zahlen der Umfrage sprechen eine klare Sprache: Rund acht von zehn Österreicherinnen und Österreicher (79,7 %) nutzen in ihrem täglichen Leben ein Auto. Für die Mehrheit (56 %) fungiert das Kraftfahrzeug in erster Linie als praktischer Helfer, der den Alltag erleichtert. Das unterstreicht deutlich die große Bedeutung, die das Auto in der österreichischen Gesellschaft weiterhin einnimmt.

Persönliche Freiheit und Unabhängigkeit größter Faktor für Gen-Z

Gleichzeitig verbindet jeder Zweite (50 %) mit dem Wagen ein tiefes Gefühl von persönlicher Freiheit und Unabhängigkeit. Besonders stark ausgeprägt ist diese emotionale Bindung überraschenderweise in der jungen Generation Z. Während im Gesamtschnitt fast die Hälfte der Befragten das Auto als reines Transportmittel einordnet, empfinden dies unter den 14- bis 25-Jährigen lediglich 36 Prozent so. Für sie steht die Unabhängigkeit im Vordergrund. Demnach würden rund 51 Prozent der jungen Erwachsenen die Freiheit, spontan über das Fahrtziel zu entscheiden, schmerzlich vermissen. Fast die Hälfte (49 %) möchte zudem keinesfalls auf die Möglichkeit verzichten, jederzeit Ausflüge unternehmen zu können. Ein Leben gänzlich ohne Auto ist für die meisten Österreicher ohnehin unvorstellbar – lediglich magere 2,3 Prozent der Befragten gaben an, dass ihnen ohne ihr Fahrzeug an nichts fehlen würde.

Zunehmende Staubildung auf Österreichs Straßen

Obwohl die Befragten die Mobilität schätzen, nehmen sie die zunehmenden Verkehrsbelastungen im Alltag deutlich wahr. Mehr als die Hälfte der Bevölkerung (56,3 %) registriert eine Zunahme an Staus in den Ballungsräumen. Als Hauptursachen dafür identifizieren die Befragten Baustellen (50 %), den dichten Pendlerverkehr zu den Stoßzeiten (47 %) sowie die generell zu hohe Anzahl an Autos auf den Straßen (43 %). Doch anstatt das Auto stehenzulassen, passen die Österreicher ihr Verhalten strategisch an. Knapp 78 Prozent der Autofahrer setzen gezielte Strategien zur Stauvermeidung ein. Dabei vermeiden fast die Hälfte stauanfällige Stoßzeiten, ein Drittel nutzt Ausweichrouten und knapp mehr als die Hälfte greift auf Apps zurück, die einen am Stau vorbei navigieren.

Parkplatzsuche als großes Problem

Wer den Stau erfolgreich bewältigt hat, steht in den Städten meist vor der nächsten großen Hürde: der Parkplatzsuche. Satte 64 Prozent der Befragten bemerken eine spürbare Verschlechterung der Parksituation in den Ballungsräumen. Die überwiegende Mehrheit (87 %) kämpft zumindest ab und zu mit der Stellplatzsuche in der Stadt, wobei knapp 29 Prozent (sehr) häufig vor diesem Problem stehen.

Der Wunsch nach günstigeren Alternativen zum Auto

Trotz der weiterhin großen Bedeutung des Autos für den Alltag der Mehrheit aller Österreicher:innen, wünschen sich die Befragten dennoch Alternativen. Knapp die Hälfte der befragten Personen geben an, sich günstigere Tarife für die öffentlichen Verkehrsmittel zu wünschen. Zudem ersehnen sich mehr als ein Drittel einen Ausbau des Park-and-Ride-Angebots in Österreich. Diese Feststellung zeigt, dass es nicht allein die positiven Aspekte des Autos sind, weshalb so viele Österreicher:innen auf das Verkehrsmittel zurückgreifen. Gäbe es ein größeres Angebot an kostengünstigeren Alternativen, würden sich viele sehr wohl auch für eine klimafreundlichere Alternative entscheiden.

NH