Österreichs neue Rechen-Elite: Supercomputer MUSICA nimmt Betrieb auf

Der leistungsstärkste Supercomputer Österreichs soll die heimische Wissenschaft und Forschung ins internationale Spitzenfeld heben.


Österreichs neuer Supercomputer Multi-Site Computer Austria (MUSICA) © TUW_ASC Matthias Heisler

Am 3. Juli 2026 wurde mit dem „Multi-Site Computer Austria“ (MUSICA) das neueste und mit Abstand leistungsstärkste Hochleistungsrechnersystem Österreichs feierlich eröffnet. Die offizielle Inbetriebnahme markiert eine erhebliche Steigerung der nationalen Rechenleistung. Das universell einsetzbare System wurde speziell für Künstliche Intelligenz (KI) und datenintensive Forschung entwickelt, um der heimischen Wissenschaft, Wirtschaft und öffentlichen Verwaltung die notwendige Infrastruktur für das internationale Spitzenfeld zu sichern. Aktuell zählt der neue Supercomputer zu den 100 schnellsten Systemen im weltweiten TOP 500-Ranking.


MUSICA ist ein Meilenstein für den Forschungsstandort Österreich. Der Supercomputer schafft die Grundlage dafür, dass Spitzenforschung, Künstliche Intelligenz, Quantentechnologien und Innovation auch künftig in Österreich auf höchstem Niveau stattfinden können. Wer die Zukunft gestalten will, muss heute in die dafür notwendige Infrastruktur investieren. Denn Forschung schafft Fortschritt: für bessere Medizin, Klimaschutz, innovative Arbeitsplätze und ein gutes Leben für alle. MUSICA stärkt damit nicht nur unsere Forschung, sondern auch die technologische Souveränität Europas.

Eva-Maria Holzleitner, Bundesministerin für Frauen, Wissenschaft und Forschung

Gewaltige Power für KI und Großsimulationen

Andreas Rauber, Leiter des ASC Research Center, betont, dass MUSICA zwei zunehmend zusammenwachsende Welten vereint: die klassische Großsimulation und die KI-gestützte Datenanalyse. Neben Anwendungen in der KI-Entwicklung ermöglicht die enorme Rechenleistung komplexe Datenanalysen und Simulationen in den Bereichen Physik, Ingenieurwesen, Chemie, Lebenswissenschaften sowie der Umweltforschung.

Ein zentrales Merkmal ist die sogenannte Multi-Site-Architektur. Das System ist auf drei Standorte aufgeteilt: das Science Center der TU Wien im Wiener Arsenal, die Universität Innsbruck sowie die Johannes Kepler Universität (JKU) Linz. Alle Komponenten werden zentral konfiguriert und verwaltet, können jedoch flexibel als ein hochperformantes Gesamtsystem oder vollkommen autonom betrieben werden. Dieser Aufbau garantiert eine hohe Ausfallsicherheit und sorgt dafür, dass Rechenprozesse selbst bei Einschränkungen an einem Standort nahtlos fortgeführt werden können.

Ein Leuchtturm universitärer Kooperation

MUSICA ist das Resultat einer langjährigen Zusammenarbeit österreichischer Forschungseinrichtungen im ASC-Konsortium (Austrian Scientific Computing, ehemals Vienna Scientific Cluster – VSC). Zu den sieben Partnern gehören die TU Wien (Projektkoordination), die Universität Wien, die Universität für Bodenkultur Wien (BOKU), die Universität Innsbruck, die Technische Universität Graz sowie die JKU Linz. Als neuestes Mitglied unterstützt das Institute of Science and Technology Austria (ISTA) den weiteren Ausbau der Infrastruktur.

Während Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler der Partneruniversitäten das System kostenfrei nutzen können, erhalten externe Unternehmen und öffentliche Institutionen den Zugang über Pay-per-Use-Modelle. Christoph Pfeifer, Vizerektor für Forschung und Innovation der BOKU University, sieht in dem Projekt ein „manifestes Bekenntnis der Politik zum Forschungsstandort“ und einen Motor für datenintensive Forschung in nie dagewesener Form. Alberta Bonanni, Vizerektorin der JKU Linz, hebt ebenfalls den Wert der Kooperation hervor, die es Forschenden in ganz Österreich erlaube, unter bestmöglicher IT-Infrastruktur wertvolle Erkenntnisse auf internationalem Niveau zu gewinnen.

Drei Zukunftstechnologien und die Budgetierung

Ein besonderes technologisches Highlight stellt die Verknüpfung mit Österreichs erstem produktiv nutzbaren Quantencomputer dar. Über MUSICA ist der Ionenfallen-Quantencomputer namens „OTTER“ niederschwellig erreichbar. Zusammen mit maßgeschneiderten Ausbildungsangeboten vereint der ASC damit die drei zentralen Zukunftstechnologien: High Performance Computing (HPC), KI und Quantencomputing.

Trotz der Euphorie blickt die Führungsebene der beteiligten Universitäten mit Sorge auf die künftige Finanzierung. Gefördert wurde die Beschaffung und Errichtung von MUSICA mit 20 Millionen Euro durch die Österreichische Forschungsförderungsgesellschaft (FFG) im Rahmen von Quantum Austria und des europäischen Aufbau- und Resilienzplans. Weitere 16 Millionen Euro steuerte das Bundesministerium für Wissenschaft und Forschung bei, während die Integration des Quantencomputers (Projekt QACI) mit zusätzlichen 9 Millionen Euro unterstützt wurde. Die Infrastrukturmaßnahmen für Strom und Kühlung sowie die laufenden Betriebskosten müssen jedoch von den Konsortialpartnern selbst getragen werden.

Fokus auf technologische Souveränität und Energieeffizienz

Neben der reinen Rechenleistung stand die Energieeffizienz im Fokus der Entwicklung. Um den massiven Strombedarf zu bändigen, nutzt der Großteil des Systems eine direkte Heißwasserkühlung, bei der die Kühlelemente direkt an den Prozessoren, GPUs und Speichermodulen angebracht sind. Dies ermöglicht ein ganzjähriges „Free-Cooling“ und reduziert den Energiebedarf im Vergleich zu klassischen luftgekühlten Systemen drastisch.

Für Eva-Maria Holzleitner, Bundesministerin für Frauen, Wissenschaft und Forschung, stellt der Supercomputer einen Meilenstein dar. Wer die Zukunft in Bereichen wie Medizin, Klimaschutz und innovativen Arbeitsplätzen gestalten wolle, müsse heute in die Infrastruktur investieren. MUSICA stärke in diesem Sinne nicht nur die heimische Spitzenforschung, sondern sichere langfristig auch die technologische Souveränität Europas.

NH