Wien im Schwitzkasten: Rekordtemperaturen fordern Infrastruktur und Gesundheit heraus

Die aktuellen rekordverdächtigen Temperaturen haben Wien im Griff – Tropennächte als körperlich nicht zu unterschätzende Belastungsprobe und der Bedarf an Fernkälte schießt nach oben.


Die aktuelle Hitzewelle bringt die Wiener:innen ordentlich ins Schwitzen © pexels
Die aktuelle Hitzewelle bringt die Wiener:innen ordentlich ins Schwitzen © pexels

Wien erlebt derzeit die erste große Hitzewelle des Jahres. Mit prognostizierten Temperaturen von über 35 Grad Celsius über mindestens drei aufeinanderfolgende Tage gerät die Bundeshauptstadt ins Schwitzen. Die extreme Wetterlage – verschärft durch stark versiegelte Flächen, die die Hitze zusätzlich in die Höhe treiben – stellt sowohl die städtische Energieversorgung als auch das Gesundheitssystem vor enorme Herausforderungen. Während der Kühlbedarf in der Stadt drastisch ansteigt, warnen Mediziner:innen vor den massiven gesundheitlichen Gefahren der Extremhitze.

Fernkälte-Bedarf schießt um 60 Prozent nach oben

Die anhaltend hohen Temperaturen lassen die Nachfrage nach Kühlung in Wien rasant ansteigen. An besonders heißen Tagen liegt der Bedarf an Wiener Fernkälte um bis zu 60 Prozent über dem Niveau eines durchschnittlichen Sommertags mit rund 25 Grad Celsius. Um der steigenden Nachfrage gerecht zu werden, investiert Wien Energie in den kommenden Jahren rund 100 Millionen Euro in den Ausbau der klimafreundlichen Kühlung. Im Vergleich zu konventionellen Klimaanlagen spart Fernkälte rund 50 Prozent der CO₂-Emissionen ein. Ein weiterer Vorteil für das Stadtklima: Da keine Wärme über Außengeräte abgegeben wird, trägt die Fernkälte nicht zur Entstehung von urbanen Hitzeinseln bei.

Tropennächte als gesundheitliche Belastungsprobe

Die aktuelle Hitzewelle bringt laut Daten von Geosphere Austria auch vermehrt sogenannte Tropennächte mit sich, in denen die Temperaturen selbst in der Nacht nicht unter 20 Grad Celsius sinken. Für dicht verbaute Bezirke wie die Wiener Innenstadt bedeutet dies eine enorme Belastung, da sich das aufgeheizte Stadtgebiet kaum noch abkühlen kann. Der Trend ist historisch eindeutig: Der Sommer 2025 zählte in Österreich bereits zu den zehn heißesten der Messgeschichte, im Jahr 2024 gab es einen Hitzerekord von insgesamt 53 Tropennächten. Angesichts dieser heißen Nächte und der anhaltenden Tageshitze warnt die Kammer für Ärztinnen und Ärzte in Wien vor erheblichen gesundheitlichen Gefahren. Bei älteren Menschen drohen zudem schwere Kreislaufprobleme oder Verwirrtheit, die rasche ärztliche Hilfe erfordern.

Hohe Temperaturen können unter anderem Muskel- und Kopfschmerzen, Übelkeit, Erschöpfung und Herz-Kreislauf-Beschwerden verursachen. Bei älteren Menschen kann es zudem zu schweren Kreislaufproblemen oder Verwirrtheit kommen. In solchen Fällen sollte rasch ärztliche Hilfe in Anspruch genommen werden.

Naghme Kamaleyan-Schmied, Vizepräsidentin der Kammer für Ärztinnen und Ärzte in Wien

Mediziner:innen rufen zu Schutzmaßnahmen und Nachbarschaftshilfe auf

Besonders gefährdet sind laut Ärztekammer ältere Menschen, Personen mit Vorerkrankungen wie Diabetes oder Bluthochdruck, Schwangere sowie Säuglinge und Kleinkinder. Patientinnen und Patienten, die blutdrucksenkende oder entwässernde Medikamente einnehmen, sollten zudem regelmäßig ihren Blutdruck kontrollieren. Um sicher durch die Hitzewelle zu kommen, empfiehlt die Ärztekammer der Wiener Bevölkerung die Einhaltung einfacher, aber wirksamer Verhaltensregeln:

  • Flüssigkeitszufuhr: Mindestens zwei Liter Wasser täglich trinken, dafür vollständig auf Alkohol verzichten.
  • Abkühlung & Kleidung: Helle, luftige Kleidung tragen und den Körper durch feuchte Tücher auf Kopf und Nacken kühlen.
  • Wohnraum-Management: Tagsüber die Wohnräume abdunkeln und nur nachts lüften, um die Hitze draußen zu halten.
  • Schonung: Auf körperliche Anstrengungen, insbesondere im Freien und in direkter Sonne, verzichten.

Zudem richtet die Ärztekammer einen dringenden Appell an das gesellschaftliche Miteinander: Wienerinnen und Wiener werden dazu aufgerufen, in den kommenden Tagen regelmäßig nach älteren, kranken oder alleinlebenden Personen in ihrer Nachbarschaft zu sehen, um gefährdete Mitmenschen aktiv zu schützen.

NH