Aufwind für Telemedizin

Die Pandemie hat die Nutzung von Telemedizin vorangetrieben, vor allem bei chronisch Erkrankten. Eine aktuelle Umfrage zeigt: 44 % würden auch nach Corona Ärzte per Videokonferenz konsultieren.


Telemedizin: Ärztin mit Handy
Spart Zeit und Wege: Telefonate, SMS oder Video-Calls mit dem Arzt (© National Cancer Institute/Unsplash)

Diverse Lockdowns und Verunsicherung haben dazu geführt, dass Möglichkeiten wie das e-Rezept, e-Medikation, Kommunikation mit Ärzten via E-Mail oder SMS sowie Video-Telefonate mit den behandelnden Medizinern viel stärker genützt wurden. Mitunter waren Telemedizin-Lösungen oft auch der einzige Weg, Ärzte und Patienten zu schützen und dennoch die nötige Versorgung zu gewährleisten.

Eine aktuelle Umfrage des Biopharma-Unternehmens AbbVie Österreich (gemeinsam mit dem Marktforschungsinstitut Integral und Patientenorganisationen) geht der Frage nach, welche Erfahrungen Patientinnen und Patienten mit Telemedizin gemacht haben. 1.000 Österreicher zwischen 16 und 65 Jahren sowie 432 Erwachsene, die an einer chronisch entzündlichen Erkrankung leiden, wurden interviewt. 

Chronisch Kranke haben mehr Erfahrung

Im Durchschnitt kennen vier von zehn Österreichern den Begriff der Telemedizin. Jeder dritte Befragte gibt an, bereits mit einer Ärztin oder einem Arzt in Kontakt getreten zu sein, ohne die Praxis betreten zu haben. Ein Fünftel (21 %) kann sich sehr gut vorstellen, in Zukunft Telemedizin zu nutzen. Telefonieren ist dabei am beliebtesten (75 %), gefolgt von E-Mail oder SMS (46 %). Auch das Videotelefonieren verspricht Chancen für die Zukunft: 44 % würden auch nach der Pandemie ihre Ärzte per Videokonferenz konsultieren. Gegen Telemedizin spricht spontan vor allem der Wunsch nach einem persönlichen Gespräch und die Angst vor einer ungenauen Diagnose. 

Viele Betroffene einer chronischen Erkrankung haben bereits Erfahrungen mit Telemedizin gemacht: Es wurde mit dem behandelnden Arzt telefoniert (70 %), via E-Mail oder SMS um eine Beratung gebeten (31 %) oder videotelefoniert (20 %). Kontrolltermine, akute gesundheitliche Probleme sowie die Anpassung der Medikation waren die Hauptgründe dafür. Mehr zu den Vorteilen für chronisch Erkrankte im Video (© Abbvie/OTS-Video/TV-Salon):

Aktuell können sich mehr als zwei Drittel der Befragten (69 %) vorstellen, die Angebote der Telemedizin auch nach der Pandemie zu nutzen; vorrangig via Telefon. Dagegen spricht vor allem der Wunsch nach einem persönlichen Gespräch und die Angst vor einer ungenauen Diagnose.

Trotz vermehrter Akzeptanz gegenüber telemedizinischen Anwendungen erklären 35 % der Befragten, sich nicht vorstellen zu können, telemedizinische Arzttermine zu nutzen. Die Gründe reichen hier von zu unpersönlich, schlechtem Gefühl und / oder keinem Vertrauen (44 %), über ungenaue oder falsche Diagnose ohne körperliche Untersuchung (39 %) bis hin zu Datenschutzunsicherheiten (8 %). 

Telemedizin: Zeitersparnis als größter Pluspunkt

Vor allem für Patienten mit chronischen Erkrankungen und ältere Personen bietet die Telemedizin viele Vorteile, z. B. geringere Belastung durch weniger häufige Wege zur Ärztin bzw. zum Arzt. „Ich bin mittlerweile ein großer Fan der Video-Konsultation, sagt Univ. Prof. Dr. Harald Vogelsang, Facharzt für Gastroenterologie und Hepatologie. „Es war notwendig, zum Schutz der Erkrankten und der medizinischen Fachkräfte auf digitale Tools auszuweichen.“ 

In einem Video-Telefonat sieht er massive Vorteile: „Es kann sehr rasch ein Termin vereinbart werden, der Patient muss nicht kilometerlange Fahrten auf sich nehmen, ist in seiner gewohnten Umgebung und kann mit mir ohne Mund-Nasen-Schutz über seine Beschwerden sprechen. Denn gerade die Mimik der Patienten und die Emotionen seien ein wesentlicher Faktor in einer erfolgreichen Behandlung bzw. Kontrolle von chronisch erkrankten Personen. 

Durch die steigende Lebenserwartung brauchen immer mehr Personen medizinische Behandlung und Pflege. Damit steht das Gesundheitssystem vor großen Herausforderungen. Die Angebote der Telemedizin seien nicht nur eine neue Chance, den wachsenden Bedürfnissen gerecht zu werden, sondern auch, am technischen Fortschritt der medizinischen Branche mitwirken zu können.