Agrana und das Zuckerrübengate

Zu geringe Rübenfläche: Der Zuckerkonzern will sein Werk in Leopoldsdorf schließen.


Kann Österreich sich auch künftig noch selbst mit Zucker versorgen? Alles hängt von der Rübenanbaufläche ab … (© Wolfgang Ehrecke/Pixabay)

„Zuckerrübenverarbeitung in Österreich soll nach der Kampagne 2020 auf Standort Tulln konzentriert werden“: So lautet die Mitteilung der AGRANA Beteiligungs-AG, die unterm Strich die Schließung des anderen österreichischen Standorts, Leopoldsdorf im Marchfeld, bedeutet. 150 Menschen arbeiten dort.

Laut Agrana ist es aber unumgänglich, das Werk aufzugeben – es sei denn, bis Mitte November 2020 würde eine Vergrößerung der Rübenanbaufläche von derzeit 26.000 Hektar auf zumindest 38.000 Hektar zugesichert. „Aus heutiger Sicht würden die Restrukturierungsaufwendungen im Falle einer endgültigen Schließung bis zu 35 Mio. € betragen, wovon bis zu 15 Mio. € liquiditätswirksam wären“, heißt es seitens des Konzerns.

Appell an Politik

 „Es muss nun dringend ein letzter Anlauf zur Rettung der Zuckerfabrik Leopoldsdorf gestartet werden. Die Tür ist noch nicht ganz geschlossen“, sagt Rübenbauern-Präsident Ernst Karpfinger. Für das kommende Jahr müssten ausreichend Rübenflächen bereitgestellt werden. „Dazu benötigen wir aber unbedingt begleitende Maßnahmen von der Politik. Wir brauchen eine verbindliche Zusage für verlässliche Rahmenbedingungen beim Pflanzenschutz sowie finanzielle Unterstützung im Kampf gegen den Rüsselkäfer.“

Nur dann könne sich Österreich auch weiterhin mit Zucker aus heimischer Produktion versorgen. „Zucker wird traditionell seit Jahrzehnten aus Zuckerrüben vor Ort in Österreich produziert. Es muss nun alles unternommen werden, diese regionale, umweltgerechte Produktion eines wichtigen Grundnahrungsmittels sicherzustellen. Es freut mich, dass FBM Köstinger und LH-Stv. Pernkopf bereits angekündigt haben, dies zu unterstützen“, so Karpfinger.