#GoGreen: plasticpreneur – ein österreichisches Nachhaltigkeits-Start-up

Weniger Plastik lautet das Gebot der Stunde. Schon vorhandenes Plastik lässt sich aber auch recyceln, wie das heimische Start-up plasticpreneur im Interview mit WirtschaftDirekt erklärt.


Das Social Start-up plasticpreneur stellt Maschinen her, mit denen etwa in Entwicklungsländern Kunststoff-Recycling im kleinen Maßstab erfolgen kann. (c) plasticpreneur

Social Entrepreneurship – also Unternehmertum, das sich neben Aspekten der Wirtschaftlichkeit vor allem an ökologischen und sozialen Nachhaltigkeitszielen orientiert ­– ist schon seit einigen Jahren eines „der“ Themen in der Start-up-Szene.

Das niederösterreichische Social Start-up plasticpreneur, mit Produktionsstandort in Kärnten, entwickelt Maschinen, mit denen Plastikmüll im kleinen Maßstab zu neuen Produkten recycelt werden kann. Wir haben das Team von „plasticpreneur“ (virtuell) getroffen, um von ihnen zu erfahren, wie sie die Welt nachhaltig verändern wollen.

Plasticpreneur – was kann man sich darunter vorstellen?

Ein Plasticpreneur ist jemand, der/die Plastikmüll als wertvollen Rohstoff erkennt und ihn wieder in Kreisläufe einbindet.

plasticpreneur by doing circular ist ein junges Unternehmen mit Standort in Wiener Neustadt, das es sich zur Aufgabe gemacht hat, sinnvolle Plastik-Recycling-Tools für Menschen zu entwickeln und ihnen zu zeigen, wie sie damit selbst aus Plastikmüll neue Produkte herstellen und sich damit ein eigenes Social Business aufbauen können. Das ist aber bei weitem noch nicht alles, was wir machen – wir unterstützen auch beim Design der Produkte, stellen die Formen zudem auch selbst her, konzipieren Workshop-Formate zur Bildung von Umweltbewusstsein uvm.

Der klassische Prozess sieht dabei folgendermaßen aus: Kunststoffmüll wird in der Umwelt gesammelt, sortenrein getrennt, gewaschen und getrocknet und dann in unserem „Granulator“ zu Granulat zerkleinert. Im Anschluss kommt das Material dann entweder in die Injektion- oder Extruder-Maschine, in denen das Granulat unter Druck und Hitze in eine neue Form gepresst wird – et voilà: fertig ist das neue Produkt.

Welchen Nachhaltigkeits-Beitrag leistet plasticpreneur?

plasticpreneur by doing circular leistet gleich mehrfach seinen Beitrag. Durch den Einsatz unserer Maschinen und unseres Know-hows ermöglichen wir Menschen, sich der lokalen Herausforderungen selbstständig anzunehmen und individuelle Lösungen zu entwickeln – natürlich stehen wir in diesem Prozess mit Rat und Tat zur Seite. Sie können dadurch ihr eigenes Social Business aufbauen und Einkommen generieren. Ganz „nebenbei“ wird dabei auch noch die Umwelt von Müll befreit. Zusätzlich stellen wir unsere Maschinen selbst und in Handarbeit direkt in Österreich her – fair und umweltfreundlich!

In welchen Ländern wurde das plasticpreneur-Konzept bereits erfolgreich implementiert?

Aktuell sind unsere Maschinen und Formen in über 30 Länder auf fünf Kontinenten im Einsatz. 

Dabei haben sich die vielseitigsten Anwendungsmöglichkeiten gezeigt, für wie viele unterschiedliche Bereiche sich die Maschinen einsetzen und sinnvoll nutzen lassen. Das reicht von Surf-Finnen, Schulartikeln, Baumaterialien, Prototypen erstellen (z. B. an Universitäten), langlebigen Deko-Artikeln (wie z. B. Türknäufe) bis hin zum Einsatz bei bewusstseinsbildenden Workshops. Wie sich vor kurzem bewiesen hat, eignen sich die Maschinen auch sehr gut zur Erstellung von Gesichtsschutzmasken (sog. Face Shields). 

Vor welchen Herausforderungen steht ihr aktuell?

Wir arbeiten am Design von einigen neuen Produkten und eine neue Maschine ist auch schon in der Pipeline. Forschung und Entwicklung nimmt bei uns stets einen sehr wichtigen Bereich ein, denn das Arbeiten an neuen Lösungen macht uns einfach total viel Freude und vor allem Sinn! Zu tun gibt es genug. Schön wäre es jedoch – und nun greif ich mir mal schön brav an die eigene Nase –, wenn wir nebenbei auch unsere neue Website endlich online stellen könnten.

Haben sich durch die Covid-Situation auch etwaige Chancen für euch ergeben?

Oh ja, zuerst dachten wir „alles mal im Lockdown“, aber so ganz konnten wir uns mit dem (kurzen) „Nichtstun“ nicht abfinden, zu viele Ideen und Lösungen gingen uns durch den Kopf. Innerhalb von 48 Stunden designte mein Kollege Flo ein Face Shield – inkl. Prototyp, den er dann bereits beim Videocall auf dem Kopf trug. Eine komplette Produktion aufzuziehen war für uns alle neu, aber gemeinsam können wir nun auf eine spannende Zeit zurückblicken, in der wir zudem viele wertvolle Erfahrungen sammeln durften. Wir produzieren unsere Face Shields in Österreich und verkaufen sie im „buy one – give one“-Prinzip – jeder/jede, der/die ein Face Shield bei uns erwirbt, spendet automatisch ein Face Shield für Menschen in Not.

Das Resümee in Zahlen:

In Österreich haben wir bis dato über 3.000 Social Face Shields aus recyceltem Kunststoff produziert. Weltweit haben plasticpreneurs mit unseren Maschinen und Formen weit über 20.000 Face Shields aus Kunststoffmüll hergestellt (u. a. in Uganda, Nigeria, Südafrika, Bali, Peru).

Wo seht ihr plasticpreneur in 5 Jahren?

Plasticpreneur ist auch weiterhin ein agiles, innovatives, Purpose-driven, Social & Environmental Business, das eine große Menge Impact generiert hat und weiterhin generieren wird. Eine Vielzahl an neuen Produkten wurde in tollen Projekten mit gleichgesinnten KooperationspartnerInnen realisiert – wie auch Maschinen und Knowledge-Exchange-Materialien. Viele Menschen weltweit verdienen sich nun ihren Lebensunterhalt als „plasticpreneurs“, konnten ihren Lebensstandard um etliches steigern und gehen nun bewusster mit der Umwelt um – eine große Community, die mit uns gemeinsam den Weg einer Circular Economy geht.

Das Team von plasticpreneur (v.l.n.r.):
Florian Mikl, Raphaela Egger, Boris Rauter, Sören Lex (c) plasticpreneur