Wie die Energiekrise den Alltag der österreichischen Autofahrer:innen verändert

Die geopolitischen Verwerfungen der Gegenwart hinterlassen ihre Spuren längst nicht mehr nur in den Nachrichtentiteln, sondern zunehmend im Geldbörserl der Verbraucher:innen. Die anhaltend angespannte Lage im Nahostkonflikt sorgt an den internationalen Energiemärkten fortlaufend für erhebliche

Die globale Energiekrise führt zu sinkender Auto-Nutzung in Österreich © pexels

Die geopolitischen Verwerfungen der Gegenwart hinterlassen ihre Spuren längst nicht mehr nur in den Nachrichtentiteln, sondern zunehmend im Geldbörserl der Verbraucher:innen. Die anhaltend angespannte Lage im Nahostkonflikt sorgt an den internationalen Energiemärkten fortlaufend für erhebliche Nervosität. Die direkte Folge dieses Dauerkrisenmodus: Die Preise für Rohöl und Kraftstoffe verharren auf einem spürbar erhöhten Niveau. Besonders an den österreichischen Zapfsäulen wird der Preisdruck für die Bevölkerung zu einer alltäglichen Belastungsprobe.

Die aktuellen Zahlen zeigen klar, dass steigende Spritpreise das Verhalten vieler Menschen beeinflussen – allerdings derzeit eher punktuell als grundlegend, wie die Umfrageergebnisse belegen.

Nikolaus Menches, Country-Manager von AutoScout24 in Österreich

Österreicher:innen fahren seltener Auto

Wie tiefgreifend diese Teuerungswelle das Mobilitätsverhalten der Menschen hierzulande tatsächlich verändert, legt nun eine aktuelle, repräsentative Umfrage des Marktforschungsinstituts Innofact im Auftrag der Online-Plattform AutoScout24 offen. Die Ergebnisse der Studie, für die über 530 österreichische Autofahrer:innen befragt wurden, zeichnen das Bild einer pragmatischen und hochentwickelten Kostenbremse. Rund 39 Prozent der Befragten – also fast vier von zehn Personen – gaben an, ihr Fahrzeug insgesamt seltener zu nutzen als noch vor einiger Zeit. Dieser signifikante Anteil verdeutlicht die gewachsene Sensibilität gegenüber den laufenden Kosten der individuellen Mobilität.

Männer reduzieren häufiger als Frauen

Interessante Nuancen offenbart die datengestützte Analyse beim Blick auf die Geschlechterverteilung. Entgegen weitverbreiteter Klischees reagieren Männer offenbar flexibler oder schlicht sensibler auf die Preisentwicklung an den Tankstellen als Frauen: Während 42 Prozent der männlichen Autofahrer angaben, ihre Fahrleistung reduziert zu haben, liegt der Vergleichswert bei den Frauen mit 37 Prozent spürbar niedriger.

Unabhängig vom Geschlecht setzt ein beachtlicher Teil der Befragten auf eine optimierte Logistik im Alltag. Exakt 30 Prozent der Umfrageteilnehmer:innen meiden laut eigenen Angaben konsequent unnötige Fahrten. Stattdessen versuchen sie, anstehende Wege effizienter zu bündeln und vorausschauend zu planen, um Leerläufe und Doppelwege zu minimieren. Der Verzicht beginnt somit primär bei der Bequemlichkeit.

Öffis und Fahrrad im Aufwind

Für einen kleineren, aber dennoch gewichtigen Teil der Bevölkerung ist der Spardruck der Anlass, das eigene Mobilitätskonzept grundsätzlich zu überdenken. Für 16 Prozent der Befragten stellt der Umstieg auf alternative Fortbewegungsmittel mittlerweile eine ernstzunehmende Option im Alltag dar. Ob der klassische öffentliche Nahverkehr, das Fahrrad oder moderne, flexible Sharing-Angebote – der Wunsch nach Unabhängigkeit vom eigenen Auto bei gleichzeitiger Kostenreduktion gewinnt messbar an Attraktivität.

Zusätzlich greifen strukturelle Anpassungen im Arbeits- und Sozialleben, wenngleich sich diese derzeit noch im einstelligen Prozentbereich bewegen. So nutzen 5 Prozent der Umfrageteilnehmer:innen verstärkt die Möglichkeit, im Homeoffice zu arbeiten, um den täglichen Pendelweg einzusparen. Weitere 4 Prozent setzen vermehrt auf die Bildung von Fahrgemeinschaften, um die Tankrechnung solidarisch aufzuteilen und Ressourcen effizienter zu nutzen.

Routinen erschweren Umstellung

Demgegenüber steht jedoch eine breite Mehrheit, die trotz der wirtschaftlichen Mehrbelastung nicht von ihren Gewohnheiten abweicht. Für 61 Prozent der österreichischen Autofahrer:innen bleibt der Wagen unverändert im gewohnten Umfang im Einsatz. Sie halten trotz des hohen Preisniveaus strikt an ihren täglichen Routinen fest. In vielen Fällen dürfte dies jedoch weniger einer mangelnden Bereitschaft geschuldet sein, sondern vielmehr der bitteren Realität im ländlichen oder suburbanen Raum, wo mangels adäquater Öffi-Alternativen schlicht eine strukturelle Abhängigkeit vom Auto vorherrscht.

Diese Trägheit respektive Alternativlosigkeit spiegelt sich auch in den langfristigen Perspektiven der Autobesitzer:innen wider. Fast die Hälfte der Befragten (48 Prozent) hat sich bis dato überhaupt noch keine Gedanken über die zukünftige Nutzung eines Kraftfahrzeugs gemacht. Weitere 37 Prozent haben das Thema zwar gedanklich gestreift, planen jedoch für die nähere Zukunft keinerlei konkrete Veränderungen.

Der zaghafte Blick in die Zukunft

Lediglich 16 Prozent der österreichischen Autofahrer:innen beschäftigen sich aktuell konkret mit einer strategischen Anpassung ihrer Mobilität. Innerhalb dieser zukunftsorientierten Gruppe zeigt sich ein stark fragmentiertes Bild: 6 Prozent ziehen den Umstieg auf ein reines Elektroauto in Erwägung, während 3 Prozent mit einem Hybridfahrzeug liebäugeln. Ebenfalls 3 Prozent spielen mit dem Gedanken, komplett auf ein eigenes Auto zu verzichten. Ein Wechsel zu einem kleineren, verbrauchsärmeren Fahrzeug wird von 2 Prozent erwogen, und lediglich 1 Prozent trägt sich mit dem Gedanken, den vorhandenen Zweitwagen zu verkaufen. Restliche 4 Prozent verteilen sich auf sonstige, nicht näher spezifizierte Überlegungen.

NH