Die eigenen vier Wände werden für immer mehr Menschen zur finanziellen Last. Eine aktuelle Umfrage zeigt nun das Ausmaß: Um die steigenden Wohnkosten zu decken, spart die Mehrheit der Bevölkerung bei Freizeit, Kleidung und sogar Lebensmitteln. Besonders eine Altersgruppe steht unter massivem Druck.
Wohnen ist in den vergangenen Jahren zum Preistreiber Nummer eins avanciert. Doch während die Zahlen auf dem Mietvertrag oder dem Kreditkonto stetig steigen, wachsen die Reallöhne oft nicht im selben Tempo mit. Die Folge: Das Geld muss an anderer Stelle eingespart werden. Eine aktuelle Umfrage des Marktforschungsinstituts Innofact im Auftrag von ImmoScout24.at unterstreicht diesen Trend mit deutlichen Zahlen. Nur noch eine kleine Minderheit von 16 Prozent der Befragten gibt an, trotz der hohen Wohnkosten keinerlei finanzielle Abstriche im Alltag machen zu müssen.
Verzicht bei Genuss und Garderobe
Die Prioritäten beim Sparen sind klar gesetzt: Zuerst trifft es die Annehmlichkeiten des Lebens. Ganz oben auf der Streichliste steht die Gastronomie. Über die Hälfte der Befragten (56 Prozent) gibt an, seltener essen oder auszugehen, um das Budget für Miete, Energie oder Kreditraten zu sichern.
Doch der Gürtel wird auch in anderen Bereichen enger geschnallt, wie die Umfrage zeigt. Knapp die Hälfte (43 %) reduziert bewusst Ausgaben für Kleidung, 39 % schränken auch ihre Urlaubspläne ein. Nahezu jede oder jeder Dritte (29 %) greifen im Supermarkt zu günstigeren Lebensmitteln.
Die „Generation Familiengründung“ unter Druck
Besonders prekär ist die Situation für die Altersgruppe der 30- bis 39-Jährigen. In einer Lebensphase, die oft von Familiengründung und dem Wunsch nach sicherem Wohnraum geprägt ist, schlagen die Kosten besonders hart durch. Zwei Drittel dieser Gruppe verzichten auf Restaurantbesuche, jeder Zweite spart beim Urlaub.
Auffällig ist zudem ein deutliches Geschlechtergefälle beim Sparverhalten: Frauen zeigen sich konsumbewusster oder sind schlichtweg stärker gezwungen, zu priorisieren. Während 61 Prozent der Frauen beim Ausgehen sparen, sind es bei den Männern nur 51 Prozent. Noch deutlicher ist die Schere bei der Bekleidung: Hier schränken sich 51 Prozent der Frauen ein, aber nur 34 Prozent der Männer.
Miete vs. Eigentum: Eine soziale Kluft
Die Umfrage legt zudem eine soziale Schieflage offen: Mietende leiden deutlich stärker unter der Teuerung als Menschen im Eigenheim. Während 20 Prozent der Eigentümer:innen angeben, gar nicht sparen zu müssen, sind es bei den Mietenden lediglich 14 Prozent. Besonders beim täglichen Bedarf wird der Unterschied sichtbar: 35 Prozent der Mietenden müssen bei Lebensmitteln sparen – bei den Eigentümer:innen ist es nur etwa jede:r Vierte.
Für die eigene Gesundheit wird nicht gespart
Trotz des immensen Spardrucks gibt es einen Bereich, an dem die Menschen zuletzt rütteln: die eigene Gesundheit. Lediglich 10 Prozent der Befragten reduzieren ihre Ausgaben für medizinische Versorgung oder Vorsorge. Das zeigt deutlich: Bevor bei der Gesundheit gespart wird, verzichten die Menschen lieber auf den neuen Schrank, das Geburtstagsgeschenk für Freund:innen oder die Fahrt in den Urlaub.
NH
