Kurzfristige Dämpfer prägen das Marktumfeld
Der österreichische Immobilienmarkt steht vor einem anspruchsvollen Jahr 2026. Sinkende Fertigstellungen, hohe Baukosten und eine spürbare Verunsicherung bei Käufer:innen wie Projektentwickler:innen bestimmen das aktuelle Bild. Im Rahmen eines Fachgesprächs diskutierten Peter Brezinschek, langjähriger Chefanalyst von Raiffeisen Research, sowie Oliver Schön (CEO) und Philipp Pfeiffer (Business Development) vom Unternehmen JAMJAM die aktuelle Lage anhand von Marktdaten, strukturellen Entwicklungen und soziodemografischen Trends.
Differenzierte Analyse statt Krisenrhetorik
Die Einschätzung fällt differenziert aus: Kurzfristig sind Rückgänge bei Neubauprojekten und Transaktionen klar erkennbar. Steigende Finanzierungskosten und anhaltend hohe Baupreise belasten die Kalkulationen und sorgen für zusätzliche Zurückhaltung. Das Marktumfeld ist damit zweifellos angespannt. Brezinschek sieht jedoch kein pauschales Krisenszenario. Trotz rückläufiger Fertigstellungen seien die Einkommen stärker gestiegen als die Inflation, während Immobilienpreise gesunken sind – die Leistbarkeit habe sich österreichweit damit statistisch eher verbessert. Zudem entwickelten sich Regionen unterschiedlich, wodurch lokale Abweichungen nicht mit strukturellen Problemen verwechselt werden sollten.
Reformbedarf und Planungssicherheit als Schlüssel
Zentral für die weitere Entwicklung ist aus Sicht von Brezinschek die Schaffung verlässlicher Rahmenbedingungen. Die Branche benötigt mehr Planungssicherheit, um Investitionen kalkulierbar zu machen. Es würde zwar Maßnahmen geben, jedoch keine konkrete Strategie, kritisiert der Branchen-Experte. Beispielhaft erwähnt Brezinschek hierbei die unterschiedlichen Bauordnungen der neun Bundesländer, die zu komplexen Genehmigungsverfahren und erschwerten Projektentwicklungen führen würden.
Fazit: Nüchterne Bewertung mit langfristigem Blick
Der österreichische Immobilienmarkt bleibt 2026 herausfordernd, befindet sich jedoch nicht in einer strukturellen Krise. Die aktuelle Schwächephase ist wesentlich von konjunkturellen und finanzierungsseitigen Faktoren geprägt. Eine faktenbasierte Analyse und ein langfristiger Planungshorizont sind daher entscheidend, um Marktbewegungen realistisch einzuordnen.
Statt alarmistischer Szenarien plädieren die Gesprächspartner für eine sachliche Betrachtung: Wer kurzfristige Schwankungen von langfristigen Fundamentaldaten trennt, erkennt Stabilisierungspotenzial – vorausgesetzt, Politik und Branche schaffen gemeinsam die notwendigen strukturellen Voraussetzungen.
NH
