Ob Fake-Shops, falsche Produktversprechen oder tückische Abofallen – im Internet lauern zahlreiche Gefahren, die Menschen um ihr Geld bringen können. Besonders kritisch: Der Erstkontakt mit diesen betrügerischen Angeboten erfolgt oft über Online-Werbung. Die aktuelle E-Commerce-Studie des Österreichischen E-Commerce-Gütezeichens zeigt, dass mehr als jede zweite Person in Österreich (50,4 %) den Eindruck hat, bereits auf betrügerische Online-Werbung gestoßen zu sein.
Betrügerische Werbung wird häufig nicht erkannt
Die Zahl spiegelt allerdings nur einen Teil des tatsächlichen Ausmaßes wider. Weitere 20,5 Prozent der Befragten können nicht einschätzen, ob sie bereits auf unseriöse Online-Werbung gestoßen sind. Nur 29,1 Prozent glauben, bislang verschont geblieben zu sein.
Betrügerische Anzeigen sind oft professionell gestaltet und unterscheiden sich nicht von den Anzeigen seriöser Anbieter. Das macht es zunehmend schwieriger, seriöse von unseriösen Angeboten zu unterscheiden.
Thorsten Behrens, Geschäftsführer des Österreichischen E-Commerce-Gütezeichens
Soziale Netzwerke als zentraler Verbreitungskanal
Besonders häufig begegnet den Nutzenden betrügerische Werbung auf sozialen Netzwerken. Über die Hälfte (54,7 %) derjenigen, die unseriöse Anzeigen gesehen haben, berichten von Werbung auf Plattformen wie Facebook, Instagram oder TikTok. Weitere Kanäle sind Banner- und Pop-up-Werbung auf Websites (32,1 %) sowie E-Mails (27,4 %). Auch mobile Spiele (23,5 %) und Werbeunterbrechungen in Internetvideos auf Plattformen wie YouTube (21,9 %) sind betroffen. Suchmaschinen werden ebenfalls genutzt: 21,3 Prozent der Befragten geben an, dort bereits auf täuschende Werbeangebote gestoßen zu sein.
Enorme Reichweite in Österreich
Schwerpunkterhebungen des Österreichischen Instituts für angewandte Telekommunikation (ÖIAT) und der Watchlist Internet verdeutlichen die Dimension des Problems. Analysiert wurden Facebook- und Instagram-Anzeigen von Online-Shops, die sich als heimische Familienbetriebe ausgeben.
Hinter diesen Anbietern stecken sogenannte Ghost-Stores ohne realen Firmensitz, die aus Lagern in China liefern. Kundinnen und Kunden werden gezielt getäuscht: Anstelle österreichischer Qualitätsware erhalten sie minderwertige Produkte aus China. Zudem werden grundlegende Konsumentenschutzrechte, wie die Gewährleistung und Rücktritt, verletzt. Allein in den ersten vier Monaten 2025 wurden ihre Anzeigen 30 Millionen Mal in Österreich ausgespielt, EU-weit etwa 85 Millionen.
Thorsten Behrens, Geschäftsführer des Österreichischen E-Commerce-Gütezeichens
Eine weitere Untersuchung von 100 Anbietern mit irreführenden Zahlungsangaben, die Abofallen platzieren, ergab 27.775 problematische Anzeigen – über ein Drittel (34 %) davon über Google geschaltet.
Verunsicherung durch unseriöse Anbieter
Die E-Commerce-Studie zeigt auch die Folgen für das Sicherheitsgefühl der Online-Shopper. Mehr als die Hälfte (53,2 %) sorgt sich, dass persönliche Daten missbraucht werden könnten. Zweifel an der Produktqualität (44,3 %) oder an der Existenz des Anbieters (32,5 %) verstärken das Misstrauen. Negative Erfahrungen wie minderwertige Produkte oder ausbleibende Lieferungen (27,8 %) tragen ebenfalls zur Skepsis bei. Fast ein Viertel (24,2 %) weiß nicht, wie seriöse Anbieter zu erkennen sind.
Gütezeichen und Warnlisten geben Orientierung
Orientierungshilfen sind entscheidend: 75,6 Prozent der Befragten bestätigen, dass Gütezeichen wichtige Qualitätskriterien sichtbar machen. Das E-Commerce-Gütezeichen prüft zertifizierte Shops nach klar definierten Kriterien. Unternehmen können sich auf www.guetezeichen.at für einen Erstcheck anmelden. Ergänzend bietet die Watchlist Internet Warnlisten zu unseriösen Shops und mit dem Fake-Shop-Detector (www.fakeshop.at) ein kostenloses Browser-Plugin, das automatisch vor verdächtigen Seiten warnt.
Start eines neuen Forschungsprojekts im Jänner 2026
Um der massenhaften Verbreitung betrügerischer Werbung entgegenzuwirken, startete im Jänner 2026 das Forschungsprojekt AdWatch. Finanziert durch das Sicherheitsforschungs-Förderprogramm KIRAS des Bundesministeriums für Finanzen, wird es vom ÖIAT geleitet und erfolgt in Zusammenarbeit mit dem Austrian Institute of Technology (AIT), der Technischen Universität Wien (TU Wien) und dem Bundesministerium für Inneres (BMI). Ziel ist die systematische Untersuchung von betrügerischer Werbung auf Social Media und Suchmaschinen sowie die Entwicklung wirksamer Schutzmaßnahmen für Konsument:innen.
Über die Studie
Die repräsentative Studie des Österreichischen E-Commerce-Gütezeichens wurde im September 2025 von Marketagent.com durchgeführt. Befragt wurden 1.015 Österreicher:innen zwischen 14 und 79 Jahren.
MW
