Fehlende Strategie der Unternehmen: Warum viele Mitarbeiter:innen-Benefits ins Leere laufen

Benefits gelten am Arbeitsmarkt als entscheidender Trumpf im Recruiting, trotzdem bleiben vielen Angebote ungenutzt.


Benefits sind für Unternehmen ein elementarer Baustein für die Mitarbeiterbindung © pexels
Benefits sind für Unternehmen ein elementarer Baustein für die Mitarbeiterbindung © pexels

Im Wettbewerb um Fachkräfte setzen Unternehmen verstärkt auf Benefits. Laut der aktuellen „Health & Benefits Studie“ des Versicherungsmaklers GrECo betrachten 71 % der Betriebe Zusatzleistungen als zentralen Schlüssel zur Mitarbeiterbindung. Dennoch verfehlen viele Investitionen ihr Ziel. Das Problem: Während Klassiker wie flexible Arbeitszeiten boomen, bleiben moderne Angebote wie das „JobBike“ oder Mentale-Gesundheit-Programme oft ungenutzt.

Viele Unternehmen investieren mit den besten Absichten, aber am realen Bedarf der Mitarbeitenden vorbei. Dieser Realitäts-Check zeigt, dass ein teures Benefit-Portfolio nutzlos ist, wenn das Personal es nicht in Anspruch nimmt. Statt mit der Gießkanne Benefits auszuschütten, braucht es eine datengestützte Strategie, die zielgerichtet wirkt und die Mitarbeiter:innenbindung nachweislich stärkt.

Joachim Schuller, Competence Center Manager Health and Benefits bei GrECo

Lücke zwischen Angebot und Nachfrage

Die Erhebung unter 205 österreichischen Unternehmen verdeutlicht ein massives Nutzungsgefälle. Während flexible Arbeitszeiten bei 91 % der Firmen etabliert sind und von jedem zweiten Betrieb eine Nutzungsrate von über 50 % gemeldet wird, fristen andere Leistungen ein Nischendasein.

So wird das Dienstrad-Leasing bei fast der Hälfte der Anbieter von weniger als 10 % der Arbeitnehmer:innen in Anspruch genommen. Ähnlich verhält es sich mit Fitnesszuschüssen. Expert:innen führen dies nicht zwingend auf mangelndes Interesse zurück, sondern oft auf eine unzureichende interne Kommunikation oder zu hohe Hürden für die Angestellten.

„Blindflug“ bei den Kosten

Besonders kritisch bewerten die Studienautoren die strategische Komponente: Rund 29 % der Unternehmen kennen ihre exakten Ausgaben für Benefits überhaupt nicht. Ohne diese Datengrundlage drohen teure Fehlentscheidungen. Trotz der geringen Resonanz planen 42 % der Firmen, in den kommenden zwölf Monaten neue Leistungen einzuführen – oft genau in jenen Bereichen (wie Fitness oder JobBikes), die aktuell die niedrigsten Teilnahmeraten aufweisen. Joachim Schuller von GrECo rät daher zu einem „Realitäts-Check“: Statt wahllos Leistungen anzuhäufen, sollten Unternehmen den realen Bedarf ermitteln und gegebenenfalls durch Kostenbeteiligungen Anreize für die Nutzung schaffen.

Sicherheitsversprechen als attraktiver Erfolgsfaktor

Ein bislang unterschätzter Hebel im Kampf um die Talente von morgen ist die betriebliche Vorsorge. Leistungen wie Pensionszusagen oder Berufsunfähigkeitsabsicherungen werden derzeit von weniger als einem Viertel der Unternehmen angeboten. In Zeiten wirtschaftlicher Unsicherheit könnten gerade diese langfristigen Sicherheitsversprechen aus Sicht der jungen Arbeitnehmer:innen einen entscheidenden Wettbewerbsvorteil darstellen, da sie über den reinen Arbeitsalltag hinaus Wertschätzung signalisieren.

NH