Künstliche Intelligenz ist für Jugendliche längst Teil des Alltags: 94 Prozent der 11- bis 17-Jährigen in Österreich nutzen KI-Chatbots. Sie dienen nicht nur als Werkzeug für Schule und Freizeit, sondern zunehmend auch als Ratgeber bei persönlichen Fragen. Gleichzeitig unterschätzen viele Jugendliche die Risiken und wünschen sich mehr Bildung zu KI. Das zeigt die aktuelle Studie „KI-Chatbots als Alltagsbegleiter für Jugendliche“.
Das Österreichische Institut für angewandte Telekommunikation (ÖIAT), die ISPA – Internet Service Providers Austria und Rat auf Draht präsentierten im Rahmen der EU-Initiative Saferinternet.at eine Erhebung zur KI-Nutzung von Jugendlichen. Für die Studie wurden 500 Kinder und Jugendliche im Alter von 11 bis 17 Jahren befragt, ergänzt durch Fokusgruppen in Jugendeinrichtungen.
„KI-Tools sind bei Fragen oft die erste Anlaufstelle für Jugendliche. Gleichzeitig gibt es aber große Wissenslücken, wenig Bewusstsein für Risiken und den Wunsch nach einem besseren Verständnis von KI.“
Barbara Buchegger, pädagogische Leiterin von Saferinternet.at
ChatGPT ist der meistgenutzte KI-Chatbot
Die Studie zeigt: ChatGPT ist der beliebteste KI-Chatbot. 90 Prozent der Befragten nutzen das Tool, während Alternativen wie Google Gemini (23 %) oder Microsoft Copilot (11 %) dahinterliegen. Knapp ein Viertel der Jugendlichen verwendet ChatGPT täglich, weitere 40 Prozent zumindest mehrmals pro Woche. Ältere Jugendliche greifen dabei häufiger auf KI zurück als jüngere.
„Künstliche Intelligenz ist für Jugendliche zum digitalen Begleiter geworden. Gerade deshalb dürfen wir sie mit den Risiken nicht alleinlassen. Wir brauchen mehr Bildung über KI, in der Schule sowie mithilfe der Digitalen Kompetenzoffensive, klare Regeln und ein gemeinsames Verantwortungsbewusstsein.“
Staatssekretär Alexander Pröll
Schule als wichtigster Einsatzbereich
Der wichtigste Anwendungsbereich für KI-Chatbots ist laut den Befragten die Schule. 73 Prozent der Jugendlichen nutzen KI-Tools für Hausaufgaben und schulische Zwecke. Besonders häufig kommen sie beim Suchen und Zusammenfassen von Informationen (47 %), für Erklärungen (34 %), zum Formulieren von Texten (27 %) oder zum Lösen von Rechenaufgaben (20 %) zum Einsatz.
Dabei zeigen sich Unterschiede nach Geschlecht und Alter: Weibliche Jugendliche und ältere Befragte verwenden KI in nahezu allen Bereichen häufiger. Im schulischen Kontext nutzen 78 Prozent der Mädchen KI, bei den Burschen sind es 68 Prozent.
KI als Ratgeber im Alltag
Über den schulischen Bereich hinaus hat sich KI für viele Jugendliche als Informations- und Ratgeber etabliert. Mehr als die Hälfte (55 %) nutzt Chatbots, um sich Tipps zu Freizeit, Gesundheit oder Beziehungen zu holen. Rund ein Drittel (31 %) spricht mit KI über Sorgen oder Probleme, ein Viertel (26 %) nutzt sie zum Stressabbau.
Vier von zehn Jugendlichen empfinden es als hilfreicher, eine KI zu fragen als einen Menschen. Hauptgrund dafür ist die ständige Verfügbarkeit (59 %), gefolgt von Zeitersparnis (43 %) und einfacher Bedienung (39 %).
Chatbots übernehmen emotionale Rollen
Besonders auffällig ist die emotionale Dimension der KI-Nutzung: Fast ein Viertel (24 %) der Jugendlichen führt freundschaftliche Gespräche mit Chatbots, knapp ein Fünftel (19 %) sogar romantische. 29 Prozent sind der Meinung, dass KI eine Art Freundin oder Freund sein kann, 28 Prozent meinen, KI kann Trost spenden. Mehr als ein Viertel (26 %) hält es für möglich, dass sich Jugendliche in einen Chatbot verlieben.
Diese Entwicklung hängt auch mit der empathisch wirkenden, bestätigenden Kommunikationsweise von KI-Systemen zusammen. Gleichzeitig geben 25 Prozent der Jugendlichen an, dass es ihnen leichter fällt, mit Chatbots über persönliche Themen zu sprechen als mit Menschen. Trotzdem sind sich viele Jugendliche auch der Schattenseiten von KI bewusst: „Wenn man sich schon von klein auf mit Problemen an die KI wendet, könnte es einem dann schwerer fallen, mit einer echten erwachsenen Person zu kommunizieren“, so eine Teilnehmerin aus den Fokusgruppen.
KI ersetzt keine menschliche Beratung
Trotz der hohen Akzeptanz sehen Jugendliche auch Grenzen: Zwar halten 57 Prozent die Ratschläge von Chatbots oft für gut, dennoch hat sich fast jede fünfte Person (18 %) aufgrund einer KI-Antwort bereits unwohl gefühlt. In sensiblen Situationen stößt KI besonders schnell an ihre Grenzen.
„Gerade bei persönlichen oder psychischen Problemen kann eine Beratung durch KI-Chatbots zunächst als Überbrückung dienen, sie stößt aber schnell an ihre Grenzen und kann eine qualifizierte Beratung nicht ersetzen. Wir beobachten außerdem immer wieder, dass Chatbots Falschinformationen zu Beratungsstellen ausgeben.“
Birgit Satke, Leiterin Rat auf Draht
Risiken werden unterschätzt
Das Vertrauen von Jugendlichen in KI ist groß: Mehr als die Hälfte der Jugendlichen verlässt sich auf die Richtigkeit der Antworten, vier von zehn überprüfen diese selten oder nie. Zudem glauben 28 Prozent, ihre Eingaben seien vertraulich. Mehr als ein Viertel (28 %) teilt sogar intime Inhalte mit KI-Systemen.
„Jugendliche gehen teilweise unbedacht mit ihren persönlichen Daten um. Das Recht auf Privatsphäre und welche Auswahlmöglichkeiten es bei den unterschiedlichen Anwendungen gibt, muss eindringlicher vermittelt werden.”
Stefan Ebenberger, Generalsekretär der ISPA – Internet Service Providers Austria
Wunsch nach mehr Bildung und klaren Regeln
Trotz insgesamt positiver Einstellung gegenüber KI äußern Jugendliche klare Wünsche: Mehr als die Hälfte (53 %) möchte besser verstehen, wie KI funktioniert. Fast jede zweite befragte Person (48 %) hat dazu bislang keine altersgerechte Erklärung erhalten. Auch Altersgrenzen finden breite Zustimmung: 53 Prozent sprechen sich dafür aus, 39 Prozent sind für eine Altersgrenze von 14 Jahren.
Als wichtigste Unterstützer sehen Jugendliche die Schule: Zwei Drittel (66 %) erwarten sich dort mehr Orientierung, ein Drittel (33 %) von den Eltern. Die Studie zeigt deutlich, dass Jugendliche sich nicht nur Regeln, sondern vor allem fundierte Bildung wünschen, um KI sicher und verantwortungsvoll nutzen zu können.
„Es braucht sichere KI-Chatbots, die auf die Bedürfnisse von Kindern zugeschnitten sind, damit sie den Umgang mit Chatbots in einem geschützten Rahmen erlernen können.“
Barbara Buchegger, pädagogische Leiterin von Saferinternet.at
Unterstützung durch Saferinternet.at
Saferinternet.at begleitet Kinder, Jugendliche, Eltern und Pädagog:innen mit einem breiten Angebot an Workshops, Unterrichtsmaterialien, Fortbildungen und Lerntools. Ziel ist es, Informationskompetenz zu stärken und einen reflektierten Umgang mit KI zu fördern.
Mehr dazu unter: https://www.saferinternet.at.
MW
