Die Kreislaufwirtschaft entwickelt sich in Österreich zu einer tragenden Säule der heimischen Ökonomie. Wie die gemeinsamen Untersuchungen von PwC und der Altstoff Recycling Austria AG (ARA) zeigen, ist der Sektor nicht nur ein Instrument des Umwelt- und Klimaschutzes, sondern ein resilienter Wirtschaftsfaktor, der auch in konjunkturell herausfordernden Zeiten Beständigkeit beweist. Neben ökologischen Aspekten rücken zunehmend ökonomische Kennzahlen wie stabile Beschäftigung, hohe Umsätze und eine sinkende Importabhängigkeit in den Fokus.
„Österreich zählt zu den führenden Standorten für Umwelttechnologie in der EU und hat das Potenzial, Vorreiter bei nachhaltiger Rohstoffpolitik zu sein. Unsere Kreislaufquote ist seit 2012 um 75 % auf 15,2 % gestiegen und liegt damit über dem EU-Durchschnitt von 12,2 %. Unser Ziel ist klar: Bis 2030 wollen wir sie auf 18 % erhöhen und die Kreislaufwirtschaft noch stärker in allen Bereichen verankern.“
Norbert Totschnig, Bundesminister für Land- und Forstwirtschaft, Klima- und Umweltschutz, Regionen und Wasserwirtschaft.
Wirtschaftliche Wirksamkeit trotz Konjunkturschwankungen
Die vorliegenden Studienergebnisse verdeutlichen die ökonomische Schlagkraft der Branche: Rund 13.800 Unternehmen sind in Österreich im Bereich der Kreislaufwirtschaft tätig. Diese erwirtschafteten zuletzt mit rund 50.900 Vollzeitbeschäftigten einen Jahresumsatz von 16,6 Milliarden Euro. Die daraus resultierende Bruttowertschöpfung wird mit 4,5 Milliarden Euro beziffert. Diese Zahlen zeigen vor allem die Widerstandsfähigkeit des Wirtschaftsfaktors, trotz konjunkturell eher herausfordernden Zeiten, wie auch Harald Hauke, Vorstandssprecher der ARA, betont.
„Nach wie vor steht die heimische Wirtschaft vor großen ökonomischen Herausforderungen. Die aktuelle Studie von PwC und dem Senat der Kreislaufwirtschaft des ARA Vereins zeigt, dass Kreislaufwirtschaft auch in konjunkturschwachen Zeiten widerstandsfähig ist. Wir befinden uns auf einem guten Weg in eine zirkuläre Zukunft und sehen die Konkretisierung der Industriestrategie als zentrale Maßnahme, um diesen weiter voranzugehen. Wir brauchen klare Rahmenbedingungen und rechtliche Vorgaben, damit sich Investitionen in Kreislaufwirtschaft langfristig lohnen“
Harald Hauke, Vorstandssprecher der ARA
31 Millionen Tonen verarbeitetes Material aus Recycling
Österreich konnte seine Kreislaufquote seit dem Jahr 2012 signifikant um 75 % steigern. Mit aktuell 15,2 % liegt das Land deutlich über dem EU-Durchschnitt von 12,2 %. Das erklärte Ziel der Bundesregierung ist eine weitere Erhöhung auf 18 % bis zum Jahr 2030. Umweltminister Norbert Totschnig sieht Österreich hierbei in einer Vorreiterrolle für nachhaltige Rohstoffpolitik.
Im Jahr 2023 stammten in Österreich bereits 31 Millionen Tonnen des verarbeiteten Materials aus Recyclingprozessen. Dies entspricht einem Anteil von 13,1 % am gesamten Materialfluss – eine deutliche Steigerung gegenüber dem Wert von 9,5 % im Jahr 2021. Sekundärrohstoffe werden somit immer mehr zu einem strategischen Faktor, um die Abhängigkeit von Importen zu reduzieren und die Versorgungssicherheit der Industrie zu gewährleisten.
Herausforderungen: Design, Daten und faire Wettbewerbsbedingungen
Trotz der positiven Entwicklung identifiziert die Studie zentrale Hebel für den künftigen Erfolg. Wesentliche Treiber sind demnach ein zirkuläres Produktdesign sowie transparente Produktdaten. Gleichzeitig wird auf die Problematik sogenannter „Trittbrettfahrer“ hingewiesen. Akteure, die sich nicht an die erweiterten Herstellerpflichten (Extended Producer Responsibility) halten, behindern zirkuläre Prozesse. Hier fordern Branchenvertreter mehr Fairness und eine konsequente Beteiligung aller Marktteilnehmer an den Systemkosten.
„Sekundärrohstoffe entwickeln sich zunehmend zu einem strategischen Faktor für die Industrie. Die Produktion und der Einsatz brauchen noch mehr Anreize, daher unterstützen wir es sehr, dass die Industriestrategie darauf abzielt. Das schafft für alle Akteur:innen bessere Planungssicherheit, was für uns im Senat der Kreislaufwirtschaft essenziell ist“.
Robert Nagele, BILLA Vorstand und Senator im Senat der Kreislaufwirtschaft.
Integration in die Industriestrategie
Für die weitere Entwicklung ist die Verankerung der Kreislaufwirtschaft in der nationalen Industriestrategie von entscheidender Bedeutung. Geplant sind unter anderem digitale Ressourcenplattformen für den Handel mit Sekundärrohstoffen, die eng an die öffentliche Beschaffung gekoppelt werden sollen. Hierbei ist auch eine enge Zusammenarbeit mit dem europäischen Handel vorgesehen. Dies soll die Nachfrage nach Recycling erhöhen und die Wettbewerbsfähigkeit zeitgleich stärken.
NH
